Firmengebet – Ein Trend am Arbeitsplatz?

21. Dezember 2016 von Bernd Oettinghaus

Da hat die Bildzeitung vor neun Jahren einen angeblichen Trend am Arbeitsplatz ausfindig gemacht, dass immer mehr Gebetskreise in Firmen gegründet werden. Sie hatten sogar einen Preis ausgelobt für Gruppen, die sich bei der Bildzeitung melden und einen neuen Gebetskreis in ihrer Firma gründen wollen. Aber hat sich dieser „Trend“ wirklich ereignet? Wächst die Zahl der Gebetskreise in Firmen?

Auf der Website des Netzwerkes „Christen in der Wirtschaft“ findet man deutschlandweit über 70 Gebetskreise nach Postleitzahlen sortiert. Der Schwerpunkt liegt im Süden, wo weit über 40 der Gebetskreise stattfinden. Es gibt sogar Unternehmen mit mehreren Gebetskreisen an unterschiedlichen Firmenstandorten (Daimler zum Beispiel hat über 30 Gebetskreise).

Mit der Gründung eines Firmengebetskreises entstehen viele Fragen, die einen ganz schön herausfordern. Aber gibt es überhaupt eine Alternative zum Gebet in der Arbeitswelt? Die Bibel ermutigt alle Christen, für die Obrigkeit und für alle Menschen zu beten (1. Timotheus 2,1ff.). Damit sind der oder die Chef(s) und die Kollegen in jedem Fall mit eingeschlossen – und damit auch die Arbeitsstätten.

Man kann mit Gottes Wirken in jeder Minute rechnen

Gott möchte durch jeden Christen an seinem Arbeitsplatz Gottes Reich ausbreiten. Wie das in der jeweiligen Firma, einer Einrichtung, Institution oder einem Geschäft aussieht, ist sicherlich völlig unterschiedlich. Aber eins ist allen gemeinsam: Gott ist vor Ort persönlich präsent und man kann mit seinem Wirken in jeder Minute rechnen. Christus lebt in uns und will durch uns auch im Alltag wirken. Gott hat sechs Tage Arbeit in seinem Schöpfungsrhythmus vorgesehen. Heißt das nicht, dass er es um ein Vielfaches mehr liebt, sich in der Arbeitswelt auszubreiten als in sonntäglichen Gottesdiensten? Christus selbst hat sich bis zum 30. Lebensjahr in die Arbeitswelt eines Zimmermanns eingebracht. Sollte Gott nur Spaß an der Holzverarbeitung und Landwirtschaft haben und nicht auch am Finanzwesen, Handel, Autobau oder Schulwesen?

Was, wenn wir in unserer Arbeitswelt wieder neu die Freude Gottes entdecken für die Arbeitsprozesse und -aufgaben, für Kollegen, Mitbewerber, Zulieferer und Geschäftspartner, Behörden oder Kooperationspartner. Was, wenn wir in den Gemeinden beginnen, die Lasten der Arbeitswelt, der Einrichtungen und der Politik zu tragen, statt mit dem Finger auf sie zu zeigen? Was, wenn wir Menschen dorthin senden und sie ermutigen, mit den geistlichen Instrumenten ausgerüstet dort Reich Gottes wachsen zu lassen? Gebet ist ein wunderbares Pionierinstrument, und durch diese Tür eröffnen sich viele weitere Wege, so dass das Wirken Gottes in der Arbeitswelt und in allen gesellschaftlichen Bereichen bunt und facettenreich sichtbarer wird. Gehen wir auf Entdeckungsreise! Im Gebet öffnet Gott uns die Augen für seine Gegenwart in unseren Firmen.

Auf dem Kongress christlicher Führungskräfte wollen wir mit vielen Praktikern die Fragen angehen, die sich beim Aufbau, beim Dranbleiben und Weiterentwickeln von Firmengebetsgruppen stellen. 

Titelfoto: iStock
Gebet
Bernd Oettinghaus

Bernd Oettinghaus ist Gebetsleiter der Evangelischen Allianz Frankfurt. Neben der Begleitung von einigen Firmen- und Branchengebetsgruppen leitet er den Runden Tisch Gebet in Deutschland. Er ist Mitinitiator und Netzwerker von vielen nationalen Aktionen und Kampagnen wie z.B. „3. Oktober – Gott sei Dank“, „40 Tage Beten und Fasten für unser Land“, „Deutschland betet – die Gebetsapp“, „Glaube am Montag“ und „Jahr der Stille“.