Die größten Leiterschaftsfehler und wie man sie vermeiden kann

22. Februar 2017 von Hans Finzel

Leiterschaft ist Einfluss. Das ist alles. Eine Ein-Wort-Definition. Jeder, der einen anderen Menschen beeinflusst, etwas zu tun, hat ihn geführt. Man könnte es auch anders ausdrücken: Ein Leiter bringt Menschen dahin, wohin sie allein niemals gehen würden.

1. Der Machtmensch

Die Sünde Nr. 1 eines Leiters ist ein autokratischer Führungsstil. Jeder Mensch tendiert dazu, Macht zu erlangen und über andere Menschen zu herrschen. Das biblische Leitbild aber ist der „dienende Führungsstil“. Er beruht auf den Prinzipien, die von dem wahrscheinlich größten Leiter aufgestellt wurden, der je auf dieser Welt gelebt hat: Christus. Er erklärt sein Leiterschaftsverständnis in Matthäus 20,25–28 so: „Ihr wisst, dass die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ 

2. Bloß keine Gespräche!

Je höher die Führungsposition, die jemand innehat, umso weniger Zeit scheint er für Menschen zu haben. Den meisten von uns erscheint es notwendig, einen vollgepackten Terminkalender zu führen und sich bei den Absprachen mit anderen auf E-Mails, Telefonanrufe und SMS zu beschränken. Doch um Menschen auf geistlicher Ebene erreichen und langfristig prägen zu können, sind Begegnungen essenziell. Ausgiebige Gespräche zwischen zwei Menschen sind durch nichts zu ersetzen. Menschen werden sich nie dafür interessieren, wie viel jemand weiß (Fachwissen), solange sie nicht wissen, wie sehr er sich um sie kümmert (Sozialkompetenz). In den Evangelien machte ich eine erstaunliche Entdeckung: Für nichts anderes verwendete Jesus mehr Zeit als für Menschen, mit denen er sprach.

3. Lob schadet

Nach 30 Ehejahren hat eine Frau genug: „Ich kann mit dir nicht mehr zusammenleben“, sagt sie ihrem Mann tief enttäuscht. „Nie sagst du mir, dass du mich liebst. Diese drei Worte habe ich seit Jahren nicht mehr von dir gehört.“ Der Ehemann antwortet ihr emotionslos: „Sieh mal, ich habe dir doch auf unserer Hochzeit gesagt, dass ich dich liebe – sollte sich meine Meinung ändern, sage ich dir Bescheid.“ Lob lässt Menschen aufblühen. Es trägt weit mehr zur inneren Zufriedenheit bei als Vermögen oder Ruhm. Deshalb gilt: Teilen Sie Lob großzügig aus!

4. Keine Freiheit geben!

Die Kunst des Delegierens zu erlernen, stellt die schwierigste Herausforderung für eine Führungskraft dar. Übermäßige Kontrolle gehört zu den größten Fehlern eines Leiters. Delegieren bedeutet, Menschen die Entscheidungsfreiheit zu gewähren, die passende Vorgehensweise selbst zu wählen. Leiter sollten sich erkundigen, ob etwas erfolgreich läuft, aber sie sollten ihnen nicht permanent auf die Finger schauen und ihnen nicht vorschreiben, wie sie ihren Auftrag auszuführen haben. Entscheidend ist das Ergebnis.

5. Nur nicht informieren!

Woran erkennen Sie, dass Sie eine Kommunikationsschwäche haben? Ein Mann geht die Straße entlang und bemerkt, wie sich jemand in seinem Hauseingang mit einer Waschmaschine abmüht. Der Passant bietet seine Hilfe an. Der Besitzer der Waschmaschine nimmt sie hocherfreut an. Beide Männer versuchen gemeinsam, das schwere Gerät zu bewegen. Nach einigen Minuten vergeblicher Anstrengung halten sie inne. Beide sind völlig erschöpft. Da sagt der Helfer: „Wir werden das Ding niemals hier rein kriegen!“ Darauf antwortet der andere: „Wieso rein? – Ich dachte, die Waschmaschine sollte raus!“ Halten Sie es nie für selbstverständlich, dass jemand über etwas Bescheid weiß. Je ausführlicher Menschen informiert werden, desto stärker fühlen sie sich mit der Organisation verbunden, und desto weiter sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Missverständnisse entstehen. Folgende vier Aspekte müssen Mitarbeitern unmissverständlich klar sein:

6. Nicht an einen Nachfolger denken!

Die letzte große Aufgabe eines jeden Leiters besteht darin, einen Nachfolger auszubilden. Diese Aufgabe sollte nicht für das letzte Jahr der Amtszeit aufgehoben werden. Stattdessen sollte sie als ein fortlaufender Mentoringprozess verstanden werden, in den alle Nachwuchsführungskräfte eingebunden werden. Der Apostel Paulus hat viel Zeit in die Schulung der Christen in Ephesus investiert und mit ihnen mehr Zeit verbracht als mit jeder anderen Gruppe. Doch am Ende verließ er sie. Warum? Nachdem er Leiter ausgebildet hatte, übergab er ihnen die Verantwortung und die Freiheit, die Arbeit fortzuführen.

7. Die Karriere gut beenden

Um unsere Karriere gut zu beenden, ist Demut der Schlüssel zu einem guten Abschluss und zur Übergabe der Verantwortung an unsere Nachfolger. Wenn die eigene Zeit abgelaufen ist, sollte die Loyalität ganz selbstverständlich der nächsten Generation gehören.

Die 10 größten Leiterschaftsfehler … und wie man sie vermeiden kann“
Lichtzeichen Verlag
284 Seiten
ISBN 978-3-939833-74-1

9,90 Euro

Titelfoto: iStock
Führung, Praxistipps
Hans Finzel

Der US-Amerikaner Hans Finzel (64, Littleton/Bundesstaat Colorado) ist Sohn deutscher Auswanderer. Er leitet die Organisation HDLeaders, ein Ausbildungsprogramm für Leiter von Gemeinden und christlichen Werken. Finzel ist verheiratet und Vater von vier Kindern.