Der Wert der Toleranz – Grenz-wertig?
Von Dinesh Bauer | vom 05.09.2008
Was bedeutet es „tolerant zu sein“? Welchen Stellenwert hat Toleranz? Hat die Toleranz Grenzen? Im Gegensatz zwischen Toleranz und Intoleranz offenbart sich ein Paradoxon: Intoleranz zu tolerieren, bedeutet das „Aus“ für Toleranz. Sucht man nach passenden Synonymen, zeigt sich die verwirrende Vielschichtigkeit des vom lateinischen „tolerare“ abgeleiteten Begriffs: Duldsamkeit, Rücksicht, Verständnis – alle diese Umschreibungen werden dem „Wesen“ der Toleranz nicht gerecht.
„Toleranz“ ist ein heikles Thema, dass zeigen aktuelle, gesellschaftliche „Brandherde“ wie das öffentliche Rauchverbot, die Angriffe auf Andersdenkende oder in einem größeren Kontext der „Kampf der Kulturen“. Klassisch ist der Konflikt zwischen der individuellen Toleranz des Einzelnen und den Rechten „Dritter“.
Wo liegen die Grenzen der Toleranz? Im Grundsatz die „Andersartigkeit des Anderen“ zu achten und zu respektieren – eben Toleranz zu üben? Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Tabuzonen abgesteckt, Grenzwerte definiert - die indes von Fall zu Fall fluktuieren können. Dementsprechend hat der „Toleranzbegriff“ eine Vielzahl von Deutungen und Interpretationen erfahren – sprechen Psychologen, Politologen und Pädagogen von aktiver, passiver, repressiver oder befreiender Toleranz. Wie also halten Sie es – frei nach Goethe – mit der Toleranz?
Denkanstöße zur Toleranz:
„Ich ziehe Demonstrationen der Toleranz den Demonstrationen der Intoleranz jederzeit vor, und doch habe ich weiterhin gewisse Vorbehalte gegenüber dem Wort ‚Toleranz‘ und dem Diskurs, den es organisiert. Es ist ein Diskurs mit religiösen Wurzeln, er steht meistens auf Seiten der Macht, immer verbunden mit gewissen herablassenden Konzessionen.“ (Jacques Derrida)
„Toleranz sollte nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ (Goethe)
„Die Funktion und der Wert der Toleranz hängen von der Gleichheit ab, die in einer Gesellschaft herrschen.“ (Herbert Marcuse)
„Wir müssen lernen, ohne Arroganz mit Muslimen und dem Islam zu leben. Aber es gilt zugleich, dass unsere Werte der Menschenrechte, der Toleranz universelle Werte und nicht verhandelbar sind.“ (Wolfgang Schäuble)
„Toleranz ist der Verdacht, dass der Andere Recht hat.“ (Kurt Tucholsky)
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