Schluss mit lustlos!
Von Martin Schultheiß und Fabian Vogt | vom 05.09.2008
Christlicher Glaube kann den Horizont erweitern – auch heute noch.
Nur Form und Verpackung könnten zeitgemäßer werden
Irgendwie ist sie ein wenig schwammig: die „Renaissance des Religiösen“, die zurzeit in allen Medien eifrig verkündet wird. Einerseits suchen viele Menschen tatsächlich mit neuem Eifer nach Sinn stiftenden Werten und Idealen, andererseits geht dieser Trend an den Kirchen oftmals noch vorbei. Lieber mischt man sich still im Kämmerlein einen kurzfristig belebenden Sakral-Cocktail aus diversen Zutaten (30 Milliliter Jesus, 10 Milliliter Buddhismus, einen Schuss Erwählung mit ordentlich Segen abgeschmeckt) – und wundert sich am nächsten Morgen über den spirituellen Kater, den man hat. Kein Wunder! Die eigentliche Sehnsucht meint ja gar nicht ein irgendwie geartetes Welterklärungsmuster, sondern gelebten Glauben – also die Frage: „Wie wird das Heil, das mir eine Religion verspricht, in meinem Dasein konkret erfahrbar?“ Oftmals ist das fast schon ein Aufschrei: „Ich möchte Glauben nicht nur verstehen, sondern erleben! Jetzt und hier.“ Insofern muss es nicht verwundern, dass immer mehr Autoren konkrete Hilfen anbieten, wie man „ein intensives, geistliches Leben führen“ kann. Und dabei entdecken sie bisweilen verblüfft, dass Glauben im 21. Jahrhundert ein neues Gesicht bekommen hat.
Religion nach der Aufklärung ist anders
Zum Beispiel sind die meisten Menschen heute nicht mehr bereit, bei der Religion den Verstand an der Garderobe abzugeben. Sie wollen Glauben nicht gegen Logik, Wissenschaft, Genuss oder Sinnlichkeit ausspielen – sie wollen diese Dinge verbinden. Sie wollen als aufgeklärte, kritische und der Welt zugewandte Individuen herausfinden, ob etwas an der transzendenten Wirklichkeit dran ist oder nicht. Und: Sie wollen als postmoderne Menschen glauben und nicht in Denkstrukturen des Mittelalters zurückfallen müssen, wenn sie nach Gott fragen. Religion nach der Aufklärung ist anders. Damit erklärt sich auch, warum sich der religiöse Trend mit den Kirchen so schwertut. Die stehen nämlich weiterhin für die alten Muster – ganz gleich, ob diese Einschätzung zutrifft oder nicht. Die christliche Theologie kann noch so engagiert davon schwärmen, dass der Glaube an Jesus Christus befreit, die Institution „Kirche“ ist für viele gerade kein Symbol für Freiheit. Es scheint, als versinke die Kirche unter einem Berg von Geboten, Strukturen, Vorschriften, Traditionen und ausgesprochenen oder unausgesprochenen Forderungen, die genau festlegen, wie das mit dem Glauben zu sein hat. In dieser Form wirkt Frömmigkeit manchmal eher abstoßend als ansteckend. Darum bemerkte ja schon Friedrich Nietzsche süffisant über die Christen: „Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne. Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen.“
Weg mit den Verkrustungen
Damit sind wir beim Thema des Buches Glauben ist ganz einfach – wenn man nicht muss: Woher kommt es, dass der christliche Glaube, der befreien soll, von vielen als einengend und bedrückend erlebt wird? Und kann sich ein moderner oder gar postmoderner Mensch des 21. Jahrhunderts noch ernsthaft auf den christlichen Glauben einlassen? „Ja“, behaupten wir und wagen ein Plädoyer für eine aufgeklärte, unverkrampfte und lustvolle Frömmigkeit – sozusagen eine geistliche Entrümpelung des Glaubens, bei der wir eine Bestandsaufnahme dessen versuchen, was sich in Jahrtausenden an Unfreiheiten, Missverständnissen, Ängsten, Unsicherheiten, Dogmen, Ideologien und Vorurteilen ins Christentum eingeschlichen hat. Dabei geht es immer um die Frage, wie Glaube wieder zu einer lebensfördernden Erfahrung werden kann. Denn ein Christentum, das nicht frei macht, hat mit Jesus wenig zu tun. Also: Schluss mit lustlos!
Glauben ist ganz einfach …
Christlicher Glaube macht frei. Das heißt auch, dass er das Leben nicht schwerer, sondern leichter macht – nicht verkrampfter, sondern entspannter, nicht nüchterner, sondern leidenschaftlicher, nicht eintöniger, sondern genussvoller. Es gehört zum Wesen einer gesunden Spiritualität, das sie zu einem Mehr an Lebensqualität führt. Das aber gelingt nur, wenn man den Glauben nicht gegen das Leben ausspielt, sondern ihn gerade im Leben gestaltet. Wie das funktioniert zeigt „Glauben ist ganz einfach …“, indem es 10 existentielle Freiheiten vorstellt, die im christlichen Glauben von Anfang an angelegt waren, im Lauf der Jahrhunderte aber vielfach missverstanden oder umgedeutet wurden. Ganz gleich, ob es um das Denken, das Fühlen oder das Handeln geht: Hier werden Wege aufgezeigt, wie der christliche Glauben den Horizont erweitert. Und zwar nicht als belastende Aufgabe, sondern als befreiende Erfahrung. Dann bleibt die „Renaissance des Religiösen“ nicht mehr schwammig, sondern verändert das Leben.
Martin Schultheiß / Fabian Vogt
Glauben ist ganz einfach - wenn man nicht muss
ISBN: 9783865062000
Seiten:
Verlag: Brendow
Preis: 14,95
Irgendwie ist sie ein wenig schwammig: die „Renaissance des Religiösen“, die zurzeit in allen Medien eifrig verkündet wird. Einerseits suchen viele Menschen tatsächlich mit neuem Eifer nach Sinn stiftenden Werten und Idealen, andererseits geht dieser Trend an den Kirchen oftmals noch vorbei. Lieber mischt man sich still im Kämmerlein einen kurzfristig belebenden Sakral-Cocktail aus diversen Zutaten (30 Milliliter Jesus, 10 Milliliter Buddhismus, einen Schuss Erwählung mit ordentlich Segen abgeschmeckt) – und wundert sich am nächsten Morgen über den spirituellen Kater, den man hat. Kein Wunder! Die eigentliche Sehnsucht meint ja gar nicht ein irgendwie geartetes Welterklärungsmuster, sondern gelebten Glauben – also die Frage: „Wie wird das Heil, das mir eine Religion verspricht, in meinem Dasein konkret erfahrbar?“ Oftmals ist das fast schon ein Aufschrei: „Ich möchte Glauben nicht nur verstehen, sondern erleben! Jetzt und hier.“ Insofern muss es nicht verwundern, dass immer mehr Autoren konkrete Hilfen anbieten, wie man „ein intensives, geistliches Leben führen“ kann. Und dabei entdecken sie bisweilen verblüfft, dass Glauben im 21. Jahrhundert ein neues Gesicht bekommen hat. Religion nach der Aufklärung ist anders Zum Beispiel sind die meisten Menschen heute nicht mehr bereit, bei der Religion den Verstand an der Garderobe abzugeben. Sie wollen Glauben nicht gegen Logik, Wissenschaft, Genuss oder Sinnlichkeit ausspielen – sie wollen diese Dinge verbinden. Sie wollen als aufgeklärte, kritische und der Welt zugewandte Individuen herausfinden, ob etwas an der transzendenten Wirklichkeit dran ist oder nicht. Und: Sie wollen als postmoderne Menschen glauben und nicht in Denkstrukturen des Mittelalters zurückfallen müssen, wenn sie nach Gott fragen. Religion nach der Aufklärung ist anders. Damit erklärt sich auch, warum sich der religiöse Trend mit den Kirchen so schwertut. Die stehen nämlich weiterhin für die alten Muster – ganz gleich, ob diese Einschätzung zutrifft oder nicht. Die christliche Theologie kann noch so engagiert davon schwärmen, dass der Glaube an Jesus Christus befreit, die Institution „Kirche“ ist für viele gerade kein Symbol für Freiheit. Es scheint, als versinke die Kirche unter einem Berg von Geboten, Strukturen, Vorschriften, Traditionen und ausgesprochenen oder unausgesprochenen Forderungen, die genau festlegen, wie das mit dem Glauben zu sein hat. In dieser Form wirkt Frömmigkeit manchmal eher abstoßend als ansteckend. Darum bemerkte ja schon Friedrich Nietzsche süffisant über die Christen: „Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne. Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen.“ Weg mit den Verkrustungen Damit sind wir beim Thema des Buches Glauben ist ganz einfach – wenn man nicht muss: Woher kommt es, dass der christliche Glaube, der befreien soll, von vielen als einengend und bedrückend erlebt wird? Und kann sich ein moderner oder gar postmoderner Mensch des 21. Jahrhunderts noch ernsthaft auf den christlichen Glauben einlassen? „Ja“, behaupten wir und wagen ein Plädoyer für eine aufgeklärte, unverkrampfte und lustvolle Frömmigkeit – sozusagen eine geistliche Entrümpelung des Glaubens, bei der wir eine Bestandsaufnahme dessen versuchen, was sich in Jahrtausenden an Unfreiheiten, Missverständnissen, Ängsten, Unsicherheiten, Dogmen, Ideologien und Vorurteilen ins Christentum eingeschlichen hat. Dabei geht es immer um die Frage, wie Glaube wieder zu einer lebensfördernden Erfahrung werden kann. Denn ein Christentum, das nicht frei macht, hat mit Jesus wenig zu tun. Also: Schluss mit lustlos! Glauben ist ganz einfach … Christlicher Glaube macht frei. Das heißt auch, dass er das Leben nicht schwerer, sondern leichter macht – nicht verkrampfter, sondern entspannter, nicht nüchterner, sondern leidenschaftlicher, nicht eintöniger, sondern genussvoller. Es gehört zum Wesen einer gesunden Spiritualität, das sie zu einem Mehr an Lebensqualität führt. Das aber gelingt nur, wenn man den Glauben nicht gegen das Leben ausspielt, sondern ihn gerade im Leben gestaltet. Wie das funktioniert zeigt „Glauben ist ganz einfach …“, indem es 10 existentielle Freiheiten vorstellt, die im christlichen Glauben von Anfang an angelegt waren, im Lauf der Jahrhunderte aber vielfach missverstanden oder umgedeutet wurden. Ganz gleich, ob es um das Denken, das Fühlen oder das Handeln geht: Hier werden Wege aufgezeigt, wie der christliche Glauben den Horizont erweitert. Und zwar nicht als belastende Aufgabe, sondern als befreiende Erfahrung. Dann bleibt die „Renaissance des Religiösen“ nicht mehr schwammig, sondern verändert das Leben.