Wertvolle Grundlage
Von Bernhard und Hans-Jochen Vogel | vom 05.09.2008

Unser Grundgesetz bietet eine solide Basis für politische Entscheidungen

Ohne Werte können wir nicht leben. An der Frage nach den für die Orientierung des Handelns maßgebenden Kriterien kommt keiner vorbei, der in politischer Verantwortung Entscheidungen treffen und handeln muss. Natürlich gilt das für alle, die auf das Gemeinwesen einwirken können, auch in der Wirtschaft oder den Medien. Wer – jedenfalls in der Demokratie – politische Macht ausübt, ist aber auf eine Verständigung über die orientierungsgebenden Werte besonders angewiesen. Im Grundgesetz haben wir eine solche Orientierung. Hier sind in ausdrücklichem Bezug auf Werte Leitlinien bestimmt, nach denen Macht ausgeübt werden und nach denen sich die politische Einheit aus der Vielzahl der wirkenden Kräfte immer aufs Neue bilden soll.
Unser Grundgesetz wurde auch deshalb
zur dauerhaftesten demokratischen Verfassung unserer Geschichte und die erste Verfassung, die im Bewusstsein unseres Volkes Wurzeln geschlagen hat, weil ihm ein Menschenbild und eine Wertordnung zugrunde liegen, die Orientierung geben. Der zentrale Wert der Menschenwürde steht im ersten Satz des ersten Artikels. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Der zweite Absatz des Artikels fährt
fort: „Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ Das sind zugleich substantielle Antworten, die die Väter und Mütter unseres Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf die Ideologie des menschenverachtenden NS Gewaltregimes und seine maßlosen Verbrechen gegeben haben. Wir haben in unserem Buch Deutschland aus der VOGELPERSPEKTIVE begründet, warum wir uns politisch engagiert haben, in den unterschiedlichsten Funktionen und in zwei verschiedenen Parteien, aber letztlich für ein und dasselbe Gemeinwesen. Das bereuen wir nicht. Im Gegenteil: Es hat sich gelohnt. Es hat dazu geführt, dass wir immer wieder vor nicht alltägliche Aufgaben gestellt wurden, dass wir Kräfte und Fähigkeiten entwickeln mussten, die wir uns zunächst nicht zugetraut hätten. Es hat uns zu Begegnungen mit ungewöhnlichen Menschen verholfen und uns immer wieder den Blick für die unermessliche Vielfalt der menschlichen Natur und des menschlichen Verhaltens geöffnet. Aber es hat uns auch zur Einsicht verholfen, dass man ohne einen archimedischen Punkt und ohne Orientierung an verlässlichen Werten auf Dauer nicht existieren und kein sinnvolles Leben führen kann.
Auch die heutigen Herausforderungen sind zu bewältigen – die nationalen ohnehin, solange der Staat handlungsfähig bleibt. Auch zu Fortschritten auf der europäischen und der globalen Ebene kann die Bundesrepublik Wesentliches beitragen. Nur dürfen wir dann das Holz nicht verbrennen, aus dem unsere Nachkommen ihre Hütten bauen sollen. Resignation, Enttäuschung, Zukunftsangst, mürrisches Beiseitestehen mit herabgezogenem Mundwinkel, gleichgültige Beliebigkeit unter dem Motto „Man kann ja doch nichts machen“ sind die falschen Antworten. Es waren nicht die Antworten unserer Generation. Und es dürfen nicht die Antworten der heutigen jungen Generation sein. An der Wertefrage kommt auch die junge Generation nicht vorbei.



Buch zum Thema:
Bernhard Vogel, Hans-Jochen Vogel
Deutschland aus der Vogelperspektive
ISBN: 9783451292804
Seiten:
Verlag: Herder Verlag
Preis: 19,90
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Hans-Jochen und Bernhard Vogel haben die Geschichte der Bundesrepublik von Anfang an erlebt. Als Betroffene und als Akteure. Politische Vorbilder wurden so gegensätzliche Persönlichkeiten wie Schumacher und Adenauer. Beider Wege führten in hohe Ämter. Die großen Daten von 60 Jahren deutscher Nachkriegsgeschichte sind verbunden mit Stationen auch ihres politischen Lebens. Aber auch persönliche Erinnerungen führen Zeitgeschichte im Gepäck. Bei allen Unterschieden der Deutung - gemeinsam ist die Werthaltung, das Engagement und die leidenschaftliche Lust am Gestalten. Ein ungewöhnliches und spannend erzähltes, persönliches Geschichtsbuch.

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