Werte – leider nur im Blut
Von Werner Franke und Udo Ludwig | vom 05.09.2008
Zwischen Fairness und Verbrechen – das neue Buch von Deutschlands Doping-Jäger Nr. 1 zeigt den Spitzensport als moralisches Schlachtfeld
Nicht nur Sylvia Schenk war irritiert, als im Mai 2007 eine Reihe höchst beliebter Rennradfahrer in ihrem Doping- Geständnis nicht ein einziges Wort zu ihrem moralischen oder ethischen Selbstverständnis äußerten. In der Süddeutschen Zeitung vom 25. Mai 2007 mutmaßte die einstige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, die früher selbst Leichtathletin war: „Das Unrechtsbewusstsein funktioniert bei den meisten offenbar so gut, dass allenfalls die Angst um möglicherweise auffällige Blutwerte ihnen schlaflose Nächte bereitete, nicht aber das schlechte Gewissen.“
Wer Sportlern Dopingmittel gibt, ist ein Verbrecher.
Die Autoren des ersten umfassenden Doping-Aufklärungs-Buches, Professor Werner Franke und Udo Ludwig werden da noch deutlicher: „Wer Sportlern Dopingmittel gibt, ist ein Verbrecher“, schreiben Deutschlands Doping-Jäger Nr. 1 und sein für investigativen Journalismus bekannter Co-Autor vom Spiegel. Und: „Der Sport ist tot. Doping hat ihn kaputt gemacht. Die Doper haben ihn verraten.“ Doch ihr Buch Der verratene Sport ist nicht hauptsächlich Anklageschrift. Es beschreibt höchst spannend und detailgenau die erschütternden Dopingfälle der vergangenen Jahre: von Jan Ullrichs Geschichte über die der US-Olympiasiegerin Marion Jones und den Fall des deutschen Leichtathletiktrainers Thomas Springstein bis zum Tod des Bodybuilders Andreas Münzer. Anhand dieser „moralischen Katastrophen“ zeigen Franke und Ludwig, wie das Netzwerk der Doping-Mafia aus Trainern, Medizinern, Sponsoren, Veranstaltern, Justiz, Politik und Verbänden gestrickt ist. Und sie machen deutlich, wie es geschehen kann, dass junge Talente zu Dopern werden: Sie seien „bald gefangen in der Obsession, ihre Leistung immer weiter steigern zu müssen.“ Sie lebten in einer Art Parallelwelt, losgelöst vom normalen Leben, losgelöst von der ursprünglichen Idee des Sports. Franke und Ludwig zeichnen nach, wie junge Menschen, die einfach nur Sport treiben und sich mit anderen Sportlern messen wollen, in ein brutales System abrutschen, in dem Werte nur noch bei der Blutuntersuchung interessieren. In ein System, das zweierlei zum Ziel hat: Ruhm und Geld. Die Körper der Sportler und Sportlerinnen, teilweise noch im Wachstum begriffen, werden dafür hemmungslos ausgeschlachtet, und als Vorbilder taugen nur noch wenige unserer einstigen Helden. Aber Franke und Ludwig klären nicht nur darüber auf, was im Spitzen- aber erschreckenderweise ebenso im Breiten- und Jugendsport derzeit passiert, sie zeigen auch, dass und wie es anders gehen würde. Mit Verve widerlegen sie diejenigen, die behaupten, Doping werde es immer geben, und stellen einen radikalen 15-Punkte-Rettungskatalog für einen dopingfreien Sport auf. Hoffentlich wird er baldmöglichst umgesetzt, damit der schlichte Fairness-Gedanke wieder eine Chance bekommt.
Werner W. Franke, Udo Ludwig
Der verratene Sport
ISBN: 9783898831857
Seiten:
Verlag: ZS Verlag Zabert Sandmann GmbH
Preis: 19,95
Nicht nur Sylvia Schenk war irritiert, als im Mai 2007 eine Reihe höchst beliebter Rennradfahrer in ihrem Doping- Geständnis nicht ein einziges Wort zu ihrem moralischen oder ethischen Selbstverständnis äußerten. In der Süddeutschen Zeitung vom 25. Mai 2007 mutmaßte die einstige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, die früher selbst Leichtathletin war: „Das Unrechtsbewusstsein funktioniert bei den meisten offenbar so gut, dass allenfalls die Angst um möglicherweise auffällige Blutwerte ihnen schlaflose Nächte bereitete, nicht aber das schlechte Gewissen.“ Die Autoren des ersten umfassenden Doping-Aufklärungs-Buches, Professor Werner Franke und Udo Ludwig werden da noch deutlicher: „Wer Sportlern Dopingmittel gibt, ist ein Verbrecher“, schreiben Deutschlands Doping-Jäger Nr. 1 und sein für investigativen Journalismus bekannter Co-Autor vom Spiegel. Und: „Der Sport ist tot. Doping hat ihn kaputt gemacht. Die Doper haben ihn verraten.“ Doch ihr Buch Der verratene Sport ist nicht hauptsächlich Anklageschrift. Es beschreibt höchst spannend und detailgenau die erschütternden Dopingfälle der vergangenen Jahre: von Jan Ullrichs Geschichte über die der US-Olympiasiegerin Marion Jones und den Fall des deutschen Leichtathletiktrainers Thomas Springstein bis zum Tod des Bodybuilders Andreas Münzer. Anhand dieser „moralischen Katastrophen“ zeigen Franke und Ludwig, wie das Netzwerk der Doping-Mafia aus Trainern, Medizinern, Sponsoren, Veranstaltern, Justiz, Politik und Verbänden gestrickt ist. Und sie machen deutlich, wie es geschehen kann, dass junge Talente zu Dopern werden: Sie seien „bald gefangen in der Obsession, ihre Leistung immer weiter steigern zu müssen.“ Sie lebten in einer Art Parallelwelt, losgelöst vom normalen Leben, losgelöst von der ursprünglichen Idee des Sports. Franke und Ludwig zeichnen nach, wie junge Menschen, die einfach nur Sport treiben und sich mit anderen Sportlern messen wollen, in ein brutales System abrutschen, in dem Werte nur noch bei der Blutuntersuchung interessieren. In ein System, das zweierlei zum Ziel hat: Ruhm und Geld. Die Körper der Sportler und Sportlerinnen, teilweise noch im Wachstum begriffen, werden dafür hemmungslos ausgeschlachtet, und als Vorbilder taugen nur noch wenige unserer einstigen Helden. Aber Franke und Ludwig klären nicht nur darüber auf, was im Spitzen- aber erschreckenderweise ebenso im Breiten- und Jugendsport derzeit passiert, sie zeigen auch, dass und wie es anders gehen würde. Mit Verve widerlegen sie diejenigen, die behaupten, Doping werde es immer geben, und stellen einen radikalen 15-Punkte-Rettungskatalog für einen dopingfreien Sport auf. Hoffentlich wird er baldmöglichst umgesetzt, damit der schlichte Fairness-Gedanke wieder eine Chance bekommt.