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In Deutschland werden jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder neunte bis zwölfte Junge sexuell belästigt. Etwa 80 Prozent des Kindesmissbrauchs finden im Bekannten- oder Verwandtenkreis statt – in der Familie oder dem Sportverein, der Nachbarschaft oder der Schule. Meistens trauen sich die Kinder nicht, darüber zu reden. Zu groß ist ihre Scham. Häufig werden sie auch von den Tätern unter Druck gesetzt, damit sie stillschweigen. So bleiben viele Fälle unentdeckt. Sucht ein Kind schließlich doch Hilfe in seiner Not, glaubt man ihm kaum. Durchschnittlich acht Mal muss es sich an einen Erwachsenen wenden, bis ihm endlich Gehör geschenkt wird. Die Traumata, die diese Kinder erleiden, begleiten sie über Jahre hinweg, häufig sogar ihr ganzes Leben lang.
 
Stephanie zu Guttenberg

Die Urenkelin von Otto von Bismarck, geb. 1976, ist Präsidentin der deutschen Sektion des internationalen Vereins „Innocence in Danger“. Dieser Verein engagiert sich weltweit gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und gegen die Verbreitung von Kinderpornografie, vor allem auch durch das Internet. Im Jahr 2010 wurde Stephanie von Guttenberg der „Ehrenpreis für Kampf gegen Kindesmissbrauch“ von World Vision Deutschland verliehen. Sie hat zwei Töchter und ist mit Karl-Theodor zu Guttenberg verheiratet.
Tagtäglich unbemerkt

Als Stephanie zu Guttenberg gebeten wurde, sich für den internationalen Verein „Innocence in Danger“ zu engagieren, war ihr das Ausmaß des Kindesmissbrauchs genauso wenig bewusst wie den meisten anderen Menschen. Doch je mehr Informationen sie einholte, je mehr Studien sie las, desto klarer wurde ihr, dass sexuelle Gewalt allgegenwärtiger ist, als wir alle wahrhaben wollen. Es passiert tagtäglich, vor unseren Augen und dennoch unbemerkt. Dazu blitzschnell via Handy und Webcams, über das Internet. Vor allem das Internet hat der Pädokriminalität Türen geöffnet. Ungehindert kursieren Millionen zutiefst erschreckender Bilder durch das World Wide Web.
Die Notwendigkeit, dagegen zu kämpfen, war offensichtlich. So trat Stephanie zu Guttenberg dem Verein bei, um sich aktiv gegen Kindesmissbrauch einzusetzen. Nun hat sie ein Buch geschrieben. Schaut nicht weg! erklärt, was sexueller Missbrauch ist, wie wir die Täter erkennen und die Kinder schützen können. Darüber hinaus geht die Autorin auf Therapiemöglichkeiten für betroffene Kinder ein und zeigt die Bedeutung sexueller Gewalt für unsere Gesellschaft auf. Die Verbreitung der sexuellen Gewalt durch das Internet und die Sexualisierung unserer Gesellschaft sind ihr ebenfalls wichtige Themen. Schließlich finden betroffene Eltern auch konkrete Tipps und Adressen.

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Hinsehen und handeln

Aufklärung bedeutet Stephanie zu Guttenberg sehr viel, wie sie in einem Interview sagte: „Wir brauchen ganz dringend eine viel bessere Aufklärung. Alle, die in sozialen Berufen arbeiten und oft mit Kindern in Kontakt kommen, müssen zu dem Thema geschult werden. Und dies nicht als Wahl- ,sondern als Pflichtfach. Ziel müssen Strukturen sein, die ein Hinsehen ermöglichen. Dazu zählen unter anderem breit angelegte Hilfsangebote, bei denen anonym um Rat gefragt werden kann, ohne direkt einen Polizeieinsatz in Gang zu setzen.“ (Focus Online) Schaut nicht weg! gibt Eltern und Interessierten wichtige Informationen an die Hand. Gleichzeitig ist das optimistische und mitreißende Buch persönliches Zeugnis einer Frau, die die Welt nicht so lassen will, wie sie ist. Nicht zuletzt fordert es uns alle auf, hinzusehen und in Verdachtsfällen couragiert zu handeln.

Ramon Dörfler Mediengestaltung
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