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„Wenn wir nicht rasch und konsequent handeln, wenn wir unsere Rechts- und Werteordnung nicht entschlossen durchsetzen, werden wir den Kampf gegen die Jugendgewalt verlieren.“

Jugendliche Gewalttäter werden jünger, brutaler und skrupelloser. Das macht sich besonders in Großstädten bemerkbar und dort in Vierteln, die als soziale Brennpunkte gelten. Besonders betroffen ist Berlin-Neukölln, wo die Kriminalitätsrate um 40% höher ist als sonst in Berlin. Hier war Kirsten Heisig tätig, die bekannteste Jugendrichterin Deutschlands.

Neuköllner Modell

Wurden die Straftäter gefasst, dauerte es häufig Monate oder gar Jahre, bis es schließlich zu einem Verfahren kam. Das wollte Kirsten Heisig nicht länger hinnehmen. Sie forderte ein frühes deliktbezogenes Handeln und entwickelte das „Neuköllner Modell“. Hier arbeiten Polizei und Richter direkt zusammen, bei einfachen Delikten findet die Gerichtsverhandlung innerhalb von drei Wochen statt. Denn die erzieherische Wirkung der Strafen ist umso größer, je schneller die jugendlichen Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Das Ende der Geduld erläutert dieses Modell und dessen Umsetzung. Es beschreibt etliche Lebensläufe jugendlicher Krimineller, zeigt die Situation an Schulen und Jugendämtern auf, lässt in Parallelgesellschaften blicken und schildert Straftaten und Verfahren. Kirsten Heisig macht auf eine schleichende Brutalisierung aufmerksam, die in den Köpfen vieler Kinder und Jugendlicher stattgefunden hat. Die Jugendrichterin galt als sehr streng. Und als mutig, denn sie ließ sich nicht einschüchtern. Ihr ging es im Wesentlichen darum, neue Mechanismen im Umgang mit jugendlicher Gewaltkriminalität zu entwickeln, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Justiz, Polizei, Jugendämter, Schulen, Behörden und auch die Familien sollen miteinander vernetzt werden. Für ihre Lösungsvorschläge lieferte sie sachkundige Fakten und warf auch einen vergleichenden Blick ins europäische Ausland.
 
Kirsten Heisig

Die bekannte Jugendrichterin wurde 1961 in Krefeld geboren und studierte in Berlin an der Freien Universität Rechtswissen-schaft. Nach einer zweijährigen Tätigkeit als Staatsanwältin wurde sie 1992 Richterin – erst für allgemeine Strafsachen und dann für Jugenddelikte, überwiegend in Vierteln mit hoher Kriminalitätsrate wie Berlin-Neukölln. Ihr konsequentes Engagement im Kampf gegen die Jugendgewalt fand viele Befürworter und Bewunderer, rief aber auch zahlreiche Gegner auf den Plan. Ende Juni 2010, kurz vor der Veröffentlichung ihres Buchs, starb Kirsten Heisig überraschend.


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Sozial engagiert

In ihrem „Kiez“ war die Jugendrichterin unermüdlich im Einsatz. „Tagsüber war sie Jugendrichterin, abends Sozialarbeiterin“, berichtet der selbst überaus engagierte Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Ein großes Anliegen war ihr die Schulbildung ausländischer Jugendlicher. Sie besuchte die Familien und veranstaltete u. a. Abende mit türkisch-und arabischstämmigen Eltern, um diese von der Bedeutung der Ausbildung ihrer Kinder zu überzeugen. Kirsten Heisigs Buch rüttelt auf und macht klar, wie notwendig eine ehrliche Debatte jenseits von Ideologien und die Beseitigung von Handlungsdefiziten sind.

Ramon Dörfler Mediengestaltung
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