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Die Bibelfassung „Und Gott chillte“ ist das Ergebnis eines einzigartigen Rekordversuchs. Tausende von Menschen, darunter sogar Bischöfe, brachten die Geschichten der Heiligen Schrift auf das knappe Maß der Twitter-Botschaften

Wie nur kann man die „Generation SMS“ dazu bringen, sich begeistert mit einem der ältesten Glaubensbücher der Welt auseinanderzusetzen? An dieser Frage zerbrachen sich seit langem Theologen und Gläubige die Köpfe. Nun ist sie beantwortet – und zwar auf eine Weise, die man getrost als genial bezeichnen darf, weil die Idee von der Twitter-Bibel nicht nur betörend einfach ist, sondern auch, weil sie den Urtext der Christenheit ernst nimmt und doch genügend Raum für Kreativität und Spielfreude lässt.


140 Zeichen Gezwitscher

Was nun hat es auf sich mit der neuesten, kürzesten und ungewöhnlichsten Bibelfassung, die man jetzt auch unter dem Titel Und Gott chillte als gedrucktes Buch erkunden kann? Am Anfang stand ein Rekordversuch: Das Internet- Portal evangelisch.de hatte auf dem Evangelischen Kirchentag im Mai 2009 dazu aufgerufen, die gesamte Bibel neu zu schreiben. Revolutionär wurde dieser Aufruf dadurch, dass jede wichtige Bibelgeschichte auf maximal 140 Zeichen komprimiert werden sollte. 140 Zeichen ist die Länge, mit der man auf der derzeit wohl modernsten Kommunikationsplattform twitter.com (deutsch: Gezwitscher) aktuell aus seinem Leben berichten kann. Millionen Jugendliche weltweit nutzen diese Plattform. Die spannende Frage war: Lässt sich ein manchmal sperriger Text wie die Bibel auch so kürzen – und: Würden ausreichend Autorinnen und Autoren mitmachen?
  Glauben im Web 2.0

Wenn man sie dies fragt, gerät Melanie Huber von evangelisch.de ins Schwärmen: „Der Bibel-Rekordversuch löste einen regelrechten Hype aus – nicht nur unter versierten Onlinenutzern oder bibelfesten Christen, sondern alle hatten Spaß an dieser ungewöhnlichen Herausforderung.“ Sogar mehrere Bischöfe beteiligten sich an der Aktion. Über 6.000 Zusammenfassungen für die 3.906 vorher festgelegten Stellen wurden eingereicht, viele Teilnehmer bearbeiteten 20 und mehr Stellen. Die Schöpfungsgeschichte (Genesis 1, 1-5) war dabei besonders beliebt. Hierzu gab es allein 19 unterschiedliche Tweets. Psalm 23 wurde neun Mal zusammengefasst. Die Onlineaktion rief euphorische Reaktionen hervor: „Für mich ist das geniale e-Evangelisation. Deswegen habe ich evangelisch.de unterstützt“, schrieb ‚Lukas 119‘. Und ‚mitglied 92‘ zwitscherte: „Ich denke, dass die Aktion gut war, da dies eine der ersten Aktionen war, bei der der Glaube mit dem modernen Web 2.0 verbunden worden ist. So merken auch jüngere Menschen, dass Modernsein und Glauben sich nicht ausschließen.“

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Die „eilige Schrift“ in Zahlen

Die Bibel wurde in 3.906 gut lesbare, sinnvolle Abschnitte eingeteilt. Allein dafür benötigten erfahrene Theologen mehr als 1.000 Stunden. Dann musste jeder Abschnitt von den Rekordteilnehmern auf 140 Zeichen komprimiert werden. Im Sekundentakt trafen während des Kirchentags Zusammenfassungen ein. In die nun vorliegende Twitter-Bibel wurden die besten der 6.000 Kurztexte aufgenommen.
 
 


Ramon Dörfler Mediengestaltung
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