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Künstliche Inszenierung

Je größer der Wettbewerb ist, desto mehr Wachstum haben wir – heißt es gemeinhin. Doch Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Solothurn, hält diese Anschauung für einen fatalen Irrtum unseres einseitigen Marktdenkens. Weil sich stets der, die oder das Beste durchsetzen soll, werden inzwischen auch dort Wettbewerbe inszeniert, wo es gar keinen Markt gibt, zum Beispiel in der Wissenschaft. So ist es gang und gäbe, die Güte eines Wissenschaftlers an der Zahl seiner Publikationen zu messen. Kein Wunder, dass da die Qualität auf der Strecke bleibt.

Werte neu hinterfragen

Sinnlose Wettbewerbe zeigt, in welchen Bereichen wir immer mehr Unsinn produzieren und warum das so ist. Mitverantwortlich dafür sind unsere gesellschaftlichen Ideale. Sie kommen in abstrakten Begriffen wie, „Exzellenz“, „Leistung“, „Markt“, „Wettbewerbsfähigkeit“, „Innovation“ oder „Wachstum“ zum Ausdruck und in unzähligen Wettbewerben versuchen wir uns gegenseitig mit diesen Idealen zu übertrumpfen. Immer noch effizienter, noch exzellenter, noch wettbewerbsfähiger und noch innovativer muss man werden, auch wenn man in Wirklichkeit gar nicht so genau weiß, warum und wozu. In unserer gründlich durchsäkularisierten Gesellschaft sind diese Begriffe zu den letzten, nicht mehr zu hinterfragenden Werten geworden, denen zu dienen unser höchstes Ziel ist.“ Das Leben hält etliche Beispiele dafür bereit. Man denke an die Vielfalt der Qualitätslabels und Zertifikate für Alltagsprodukte – vom Grünen Punkt bis zum Blauen Engel. Sind sie uns bei der Auswahl tatsächlich eine Hilfe?

Schluss mit dem Unsinn!

In vielen Bereichen erweist sich, dass künstliche Wettbewerbe nicht zu mehr Qualität führen. Sie mögen Arbeitsplätze schaffen – jedoch Arbeitsplätze, an denen viele Menschen zwar akribisch, aber freudlos und gestresst Dinge hervorbringen, die niemand braucht. Ein solches Denken und Handeln hat schwerwiegende Folgen für unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Was wir brauchen, ist ein Umdenken in Richtung von Qualität statt Quantität und Sinn statt Unsinn. Hierzu liefert Binswangers kluge Darstellung wesentliche Anregungen.

 

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Führung.
Macht.
Sinn.


Die jüngste große Finanz- und Wirtschaftskrise macht überdeutlich, dass wir einer neuen ethischen Orientierung bedürfen. „Die Suche nach einer ethisch stichhaltigen und darum dann auch nachhaltigen Verhältnisbestimmung von Führung, Macht und Sinn voranzubringen“, haben sich Uto Meier und Bernhard Sill zum Ziel gesetzt. Für ihren Band Führung. Macht. Sinn. konnten sie namhafte RepräsentantInnen des Staates, der Kirche, der Wirtschaft und Wissenschaften gewinnen, die aufzeigen, wie Führung in unserer Zeit ethisch gedacht und gestaltet werden könnte. Eben diese Vielfalt hinsichtlich Wissen, Erfahrung und Perspektive macht die Lektüre so überaus wertvoll.



Ramon Dörfler Mediengestaltung
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