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Der Koran ist das wichtigste Buch des Islam
Doch es handelt sich bei der heiligen Schrift auch um ein hochpoetisches Werk der Weltliteratur, ein Buch voller Leidenschaft. In der vollständigen Neuübersetzung des arabischen Originals durch den gläubigen Wissenschaftler Ahmad Milad Karimi kann man völlig in den Sprachund Erzählreichtum des Werkes eintauchen. Es ist ein ambitioniertes Projekt und es kommt genau zum richtigen Zeitpunkt: Die Neuübersetzung des Koran, die nun im Herder Verlag erscheint, ist angesichts des wiedererwachten Interesses an den großen Weltreligionen ein Unterfangen, das Applaus verdient. Und dies bereits vorweg: Nicht nur das mit der Neufassung verfolgte Ziel ist lobenswert, auch die Qualität der Übersetzung ist exzellent, schafft sie doch den Spagat zwischen Worttreue und zeitgemäßer Auslegung. Mehrere Jahre harter Arbeit investierte der gläubige Muslim und refl ektierte Wissenschaftler Ahmad Milad Karimi in die Übertragung des epochalen Werks. Zunächst, so berichtet der Schriftsteller, habe er sich an die kürzeren Suren herangetastet und sie in unterschiedlichen Kompositionen übersetzt. Dann habe er im Rahmen seiner Dissertation andere Stellen übertragen, die mehr philosophischer Natur sind.

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Im Bann der Alliteration
Wichtig war es Karimi, dass das heilige Buch des Islam, das wegen seiner poetischen Sprache von Leidenschaft, Rhythmus und Spannung lebt, auch im Deutschen hohen literarischen Ansprüchen genügt. Stundenlang suchte der Übersetzer nach einer einzigen Alliteration: „Das hat mich so sehr in Bann gezogen, dass ich nicht die Finger davon lassen konnte.“ Gleichzeitig seien ihm Ehrfurcht und vor allem Demut vor der Offenbarung Gottes stets beim Übersetzen gegenwärtig gewesen.
Wissenschaftlich fundiert
Auf diese Weise ist erstmals eine Übersetzung entstanden, die in einem gelebten Glauben wurzelt und zugleich wissenschaftlich fundiert und mit hohem poetischen Anspruch auftritt. Karimis Übersetzung, als deren Herausgeber der Freiburger Theologie-Professor Bernhard Uhde fungiert, legt ihren Schwerpunkt auf einen ästhetischen und poetischen Zugang. Sie will deutlich machen, dass diese poetisch-ästhetische Erfahrung die Religiosität der Muslime grundlegend bestimmt.
Der Junge aus Kabul
Karimi selbst hat den Koran seit seiner Kindheit eingeatmet wie die Luft seines Heimatlands Afghanistan. Wenn er sich erinnert, dann klingt das so: „Ich sehe einen kleinen sechsjährigen Jungen, der auf der Wiese einer kleinen Moschee im Herzen Kabuls sitzt und mit lauter Stimme den Koran rezitiert.“ Aus dem Rezitator ist ein Übersetzer geworden, einer, dessen Arbeit Respekt einflößt. |