Eugen Drewermann
war katholischer Theologe und Priester, bis er suspendiert wurde. Der „Kirchenkritiker“ und Vertreter der tiefenpsychologischen Exegese arbeitet als Therapeut und Autor. Er hat über 80 Bücher veröffentlicht. |
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Diagnosen und Visionen
Eugen Drewermann hat bereits viele Märchen tiefenpsychologisch interpretiert und gezeigt, wie wir in ihnen Hilfe zum Leben finden können. In seinem neuen Buch Heimkehrer aus der Hölle widmet er sich Soldatenmärchen und greift damit ein hochaktuelles Thema auf – man denke etwa an die deutsche Beteiligung an den kriegerischen Auseinander-setzungen in Afghanistan. Um die Märchen zu verstehen, muss sich der Leser in die Situation ihrer Akteure hineinversetzen. Was geht in den Menschen vor, wenn sie Soldaten werden, und was, wenn sie es sind? In welcher Verfassung kehren sie aus dem Kriegsgeschehen zurück? Vor allem Letzteres zeigt, was der Krieg aus Menschen macht. Daher nimmt Drewermann die Rückkehr der Soldaten als Kernstück seiner Interpretation von drei Märchen der Gebrüder Grimm.
Schwierige Heimkehr
Im Märchen Das blaue Licht zieht ein Mann für Geld im Auftrag des Königs in den Krieg. Dann ist der Krieg aus, und er steht auf der Straße. In ihm kommen Zweifel auf und die Frage, warum er nur Soldat geworden ist. Wenn ein Soldat in den Krieg zieht und später wieder heimkehrt, ist er häufig aus der Gesellschaft herausgefallen. Er muss sich neu anpassen, wieder seinen Platz finden. Wie lernt man nach alldem zum Beispiel wieder die Liebe? Wie lernt man eine Frau kennen, die in dem Unhold, als der man sich selbst vorkommt, einen Menschen sieht? Hiervon erzählt das Märchen Der Bärenhäuter. Nicht immer gelingen Integration und Heimkehr gut. Wie Drewermann darlegt, sind die Soldaten vom Krieg so geschädigt, dass sie in ihrer ursprünglichen Welt meist nicht mehr erfolgreich leben können. Häufig melden sich auch erst im Nachhinein Wut und Hass zu Wort, die bis dahin unterdrückt worden waren. Was in solchen Fällen passiert, lässt uns das Märchen Des Teufels rußiger Bruder erleben.
Das Recht auf Heilung
Würden die Soldaten ihre Erlebnisse, ihre Traumata psychologisch aufarbeiten, hätten sie eine echte Chance auf das Gelingen ihres Lebens. Doch nach ihrer Heimkehr werden sie einfach alleine gelassen. Drewermann zeigt, wie sich die Soldaten durch innere Einkehr als Menschen wiederentdecken können. Denn nur durch Einkehr ist so etwas wie Heimkehr möglich. Sein Buch ist nicht nur eine scharfsinnige Analyse, sondern auch ein leidenschaftliches Plädoyer gegen den Krieg.
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